Wildschweine in Wohngebieten

Das Eindringen von Wildschweinen in Gärten und Wohngebiete, ja sogar in Fußgängerzonen und andere Innenstadtbereiche wird immer mehr zum Problem.

Selten sorgt das Auftauchen von Wildschweinen für so spektakuläre Ereignisse wie im Oktober 2017 in Norddeutschland. Zwei aufgescheuchte und verängstigte Wildschweine hatten hier Ladengeschäfte und sogar eine Sparkasse „gestürmt“ einige Menschen verletzt und viele Menschen erschreckt.

Stürmen Wildschweine den Schrebergarten oder den Garten am Haus, kommen selten Menschen zu Schaden, der Ärger ist jedoch riesengroß! Schnell wird man auch feststellen, dass niemand, außer dem Grundstückseigentümer selbst, für den Schaden verantwortlich ist. Jäger dürfen in bewohnten Bereichen – und dazu gehören nun mal auch Gärten – nicht schießen. Gärten, Dörfer und Stadtränder entwickeln sich so für Wildschweine zu „Schutzzonen“. Die Tiere spüren instinktiv den geringeren Jagddruck und fühlen sich sicher.

Einen sehr aufschlussreichen Beitrag zum Thema „Wildschweine in Wohngebieten“ finden Sie in der Mediathek des Fernsehsenders n-tv.

Forscher beschäftigen sich intensiv mit dem Thema „Wildschweine in Wohngebieten“.

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V. erforschte über mehrere Jahre das Verhalten von Wildschweinen im Stadtgebiet Berlin und der Region Brandenburg. Die äußerst interessanten Ergebnisse der Studie wurden in verschiedenen Pressemitteilungen der Öffentlichkeit zugänlich gemacht. Durchaus überraschend war die Erkenntnis, dass „Stadt-Wildschweine“ sich nicht vorrangig von den Dingen ernähren, die Menschen in Mülleimern, grünen Tonnen oder Komposthaufen bereithalten. Sie ernähren sich auch in Wohngebieten vorzugsweise von natürlichen Ressourcen. „Wildschweine sind Allesfresser und bekannt für ihre hohe Flexibilität bei der Nahrungssuche; die aufgenommene Nahrung spiegelt in der Regel die Verfügbarkeit von Nahrungsquellen im untersuchten Lebensraum wider“, so die Forscher bei der Präsentation der Untersuchzungsergebnisse.

Wildschweine haben intensiv nach Tulpenzwiebeln gesucht.
Dieser Vorgarten liegt mitten in einer Einfamilienhaus-Siedlung. Die Zwiebeln der Frühlingsblüher sind wohl eine so verlockende Delikatesse für Wildschweine, dass selbst die zentrale Lage des Gartens im Wohngebiet nicht stört.

Offensichtlich bevorzugen die Wildschweine die energiereichere und abwechslungsreiche Nahrung im Bereich der Siedlungen. So stehen hier Früchte und Samen von Laubbäumen und Nadelgehölzen sowie Unmengen an leckeren Tulpenzwiebeln, Narzissen und sonstigen Frühlingsblühern reichlich zur Verfügung.

„Überraschenderweise fressen Wildschweine in Berlin und Brandenburg fast ausschließlich natürliche Nahrungsmittel, vorrangig Eicheln, Engerlinge, Fasern oder auch Mais, während Nahrungsmittel aus direkter menschlicher Herkunft nur einen Bruchteil ausmachen. So waren nur in vier von 247 Mägen Brot mit Wurst und Käse und in weiteren fünf Mägen Plastikpartikel zu finden“, berichtet Leibniz-IZW Doktorandin Milena Stillfried, die die Studie durchführte. Die Ergebnisse sollten sich sinngemäß auf andere Regionen übertragen lassen.

Und noch ein interessantes Zitat: „Während Wildschweine im ländlichen Gebiet Begegnungen mit Menschen meiden, lernen sie in der Stadt, dass vom Menschen oftmals keine direkte Gefahr ausgeht und sie auch in unmittelbarer Nähe zu menschlichen Behausungen geeignete Lebensräume und Nahrung finden können. Noch nutzen sie auch in der Stadt eher natürliche Lebensräume, aber wie lange noch?“

Schäden in der BRD durch Wildschweine im Herbst 2019
In diesen Regionen wurden im Herbst 2019 besonders viele Schäden durch Wildschweine gemeldet.